Unser Stammtisch

Überblick  Wer wir sind und was wir machen

[ Stammtisch im Rumi's ]
Stammtisch im Rumi’s, August 2021

Der Asperger-Stammtisch Frankfurt am Main entstand 2008 als unabhängiger und niedrigschwelliger Freizeittreff für Erwachsene im Autismusspektrum aus dem Rhein-Main-Gebiet. Er wird von keiner Institution getragen und beruht ausschließlich auf ehrenamtlichem Engagement.

Im Ballungsraum Rhein-Main lebt etwa eine Million Menschen im Erwachsenenalter. Wenn, wie heute angenommen wird, davon etwa ein Prozent dem »Autismusspektrum« zuzurechnen ist, so wären das um die 10 000 Personen. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Informations-, Beratungs- und Gesprächsangeboten zum Themenkreis Autismus. Zum Glück gibt es dafür gut organisierte Anlaufstellen wie den Autismus-Regionalverband Rhein-Main. Aber nicht alle Erwachsenen im Autismusspektrum fühlen sich in einem eher familienorientierten Verein gut aufgehoben. Wir wenden uns an diejenigen, die abseits von Verbandsstrukturen die Begegnung mit ähnlich gearteten Menschen suchen. Vor allem wollen wir ganz bewusst keine »Autismus-Blase« sein. Sondern uns geht es um ein möglichst normales Miteinander bei gleichzeitiger Rücksichtnahme auf unsere Besonderheiten. In einfachen Worten: Man kann sich bei uns normal unterhalten, ohne beispielsweise unbedingt Blickkontakt halten zu müssen.

Die Diagnose Asperger-Syndrom ist inzwischen durch »Autismusspektrum-Störung« ersetzt worden. Wir führen weiterhin den Namen Asperger-Stammtisch, weil die Bezeichnung »Asperger« als etablierter »Markenname« mit hohem Wiedererkennungswert am ehesten unsere Zielgruppe benennt: den Teil des Autismusspektrums mit hoher Selbstständigkeit.

Für wen ist der Asperger-Stammtisch da?

Der Asperger-Stammtisch ist da für Menschen, die bei uns Anschluss und Gemeinschaft suchen und an längerfristiger Teilnahme interessiert sind. Bei uns treffen sich Männer und Frauen im Alter zwischen 20 und 60. Unsere Gäste schätzen bei uns die Möglichkeit des zwanglosen Kontakts, den sie anderswo schwer finden. Die meisten sind seit vielen Jahren dabei.

»Ich nehme am Asperger-Stammtisch teil, weil ich mich mit Gleichgesinnten auf Augenhöhe austauschen und neue Kontakte knüpfen möchte.«

[ Stammtisch im Fennischfuchser ]
Stammtisch im Fennischfuchser, November 2021

Wir haben in den letzten Jahren einen enormen Zulauf erlebt, der uns manchmal an Kapazitätsgrenzen führt. Das zwingt uns unweigerlich dazu, unsere Zielgruppe einzugrenzen. Wer bei uns teilnehmen möchte, sollte nach Möglichkeit eine Autismusspektrum-Diagnose haben oder eine solche anstreben (siehe dazu die Hinweise auf dieser Seite). Reine Selbstdiagnosen ohne jede fachliche Abklärung sind erfahrungsgemäß nicht immer richtig, weil über das Thema Autismus viele Missverständnisse kursieren: Wir halten Instagram und TikTok nicht für zuverlässige Informationsquellen. Andererseits wissen wir sehr gut, dass der Weg zur Diagnose meist langwierig und mühsam ist. Auch zeigt die Erfahrung, dass in manchen Fällen verschiedene Fachleute mit gleicher Qualifikation und gleichem Untersuchungsinstrumentarium zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen: Niemand ist unfehlbar, und die Diagnostik ist nicht immer eindeutig, in Grenzfällen bestehen Ermessensspielräume. Auch wir müssen in Zweifelsfällen individuell entscheiden, wer zu uns passt. Wir sind also offen sowohl für Personen mit Autismusspektrum-Diagnose als auch für solche, bei denen ein begründeter Verdacht und der Wille besteht, diesen zu klären.

»Kontaktsuche, zu Menschen die ähnlich sind wie ich, ohne Vorurteile.«

Wir sind keine Selbsthilfegruppe, keine Beratungsstelle und kein Informationsbüro. Wir sind keine Anlaufstelle für Neugierige. Wir können professionelle Leistungen im Bereich Diagnostik und Therapie weder ersetzen noch empfehlen oder vermitteln. Wir können auch nicht jede individuelle Problematik (etwa in Bezug auf spezielle Komorbiditäten, Alkoholismus usw.) auffangen. Wir sind keine Plattform für Selbstdarsteller oder Personen mit missionarischen Ambitionen gleich welcher Art. Wir erwarten von unseren Gästen die Bereitschaft, sich in eine gewachsene Gemeinschaft einzufügen.

»… eine soziale Einstiegshilfe für Kontaktschwächlinge wie mich.«

Weiterhin müssen wir erwarten, dass die Teilnahme bei uns auf eigenem Interesse und Antrieb beruht. Personen, die von Eltern, Angehörigen oder Partnern oder auch Therapeuten zu uns gelotst werden, verschwinden aller Erfahrung nach bald wieder. Der Stammtisch macht Arbeit: Wir machen das gerne für Menschen, die ein ernsthaftes Interesse an uns haben.

Was bietet der Asperger-Stammtisch?

»Persönlicher Austausch, angenehme Atmosphäre, nette Leute, gleichgesinnte Kontakte.«

[ Auf dem Lohrberg ]
Auf dem Lohrberg, September 2021

Wir treffen uns in der Regel einmal im Monat in verschiedenen Gaststätten in zentraler Lage in Frankfurt, die auch für Auswärtige mit öffentlichen Verkehrsmitteln bequem zu erreichen sind. Wir bevorzugen inhabergeführte Lokale mit vertretbarem Preis-Leistungs-Verhältnis und bieten im Wechsel unterschiedliche Geschmacksrichtungen von traditionell deutsch bis authentisch südindisch.

Außerdem finden im Sommer gelegentlich Ausflüge im Freien statt. Wir haben damit in der Zeit pandemiebedingter Restriktionen für die Gastronomie begonnen. In Zeiten rapide steigender Preise bieten wir damit Alternativen ohne Gastronomiebesuch und Verzehrzwang an.

[ Auf dem Goetheturm ]
Aussicht vom Goetheturm, August 2021

»Ich gehe zum Asperger-Stammtisch, um neue Leute kennenzulernen, in deren Gesellschaft ich mich nicht so anstrengen muss.«

[ Niederräder Mainufer ]
Am Niederräder Mainufer, August 2021

»Ich komme zum Stammtisch, um wenigstens ein paar soziale Kontakte zu haben.«

[ Schwanheimer Düne ]
Schwanheimer Düne, Juli 2021

Wenn Du Dich durch unsere Angebote angesprochen fühlst und dabeisein möchtest, dann nimm gerne Kontakt mit uns auf. Wir laden Dich so bald wie möglich ein. Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass bei starkem Andrang eventuell Wartezeiten anfallen können.

Andere über uns

Im Selbsthilfeforum von Aspies e. V. schrieb jemand über unseren Essay Aspergers langer Schatten:

»Manchen dürfte dieser Artikel runtergehen wie Honig, andere sollten vor der Lektüre ihre Blutdruck-Manschette anlegen, um entgleisende Vitalparameter zu verhindern.«

Gut getroffen! Wir sind in der Tat keine Echokammer für Identitätspolitik und keine Krabbelgruppe für Befindlichkeitspflege. Manche zeitgeistige »Autismus«-Erzählungen werden bei uns kritisch gesehen und kontrovers diskutiert. Von erwachsenen Menschen erwarten wir ein reflektiertes Verhältnis auch zu sich selbst, was die Bereitschaft einschließen sollte, auch zur eigenen Diagnose den Abstand zu entwickeln, der gerade im Hinblick auf die mit ihr verbundenen Mehrdeutigkeiten angebracht erscheint.

Unsere Treffpunkte

Unser Netzwerk

Wir bieten ein eigenes, geschütztes soziales Netzwerk zur Diskussion und Vertiefung von Kontakten. Teilnehmen kann, wer durch Besuch des Stammtischs persönlich bekannt ist.

Ein langjähriger Stammgast freut sich über Besuche seiner originellen Webseite. Wer gerne Rad fährt, könnte dort Anregungen finden.

Service: Hinweise zur Diagnostik

Unser Stammtisch ist in erster Linie dazu da, dass Menschen mit autistischen Eigenschaften eine angenehme Zeit miteinander verbringen. Natürlich wird dabei manchmal auch zwanglos über zielgruppenspezifische Themen wie Diagnostik, Therapie, Nachteilsausgleiche usw. gesprochen.

Unsere Zielgruppe ist in einem großen Ballungsraum keineswegs klein, das Platzangebot jedoch begrenzt. Wer zum Asperger-Stammtisch kommen möchte, sollte eine Autismusspektrum-Diagnose idealerweise schon haben oder sich um eine solche bemühen – was allerdings in Anbetracht der starken Auslastung der Fachambulanzen meist viel Geduld erfordert. Der nicht selten steinige Weg zur Diagnose liegt in der individuellen Verantwortung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wir können hierzu keine Beratung anbieten, wohl aber einen Überblick zu Erfahrungen mit in Frage kommenden Diagnosestellen.

Für die Diagnostik werden üblicherweise zwei bis drei Termine angesetzt. An Universitätskliniken ist in der Regel eine Überweisung durch einen Facharzt für Psychiatrie erforderlich. Vorab müssen meist Fragebögen beantwortet werden. Häufig wird, wenn möglich, eine Fremdanamnese durch Eltern gewünscht.

Nicht in allen Fällen gelangen verschiedene Diagnostiker zu gleichen Einschätzungen. Manchmal kann es sinnvoll sein, eine Zweitmeinung einzuholen. Zu beachten ist: Nach Literaturangaben werden an Fachambulanzen weniger als die Hälfte der Verdachtsfälle bestätigt. Die Autismusforschung des Max-Planck-Instituts in Göttingen ist zu der Einschätzung gelangt, dass etwa 40 Prozent der Autismusspektrum-Diagnosen falsch sind: Autismus wird häufig mit Persönlichkeitsstörungen verwechselt, die Grenzen sind fließend.

Sofern nicht anders angegeben, werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Angaben beruhen auf Erfahrungsberichten, teilweise auch auf Selbstauskunft der Diagnosestellen. Sie sind aber ohne Gewähr und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit: Sie summieren das, was Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Stammtischs erlebt haben.